Hard Skin – Gold
Wer denkt, Oi! sei ein Relikt aus den 80ern, das irgendwo zwischen Bier, Bomberjacken und brennenden Mülltonnen verstaubt ist – hat mit Sicherheit noch nie von Hard Skin gehört. Die anno 1996 in London gegründete Band ist ein bisschen wie ein lauter Kneipenwitz, der plötzlich politische Relevanz bekommt. Mit ihrem 2024er Album Gold zeigten sie erneut, warum man sie einfach lieben muss – oder sich tierisch über sie aufregt. Nun ja.
Wenn Punk sich selbst auf die Schippe nimmt
Hard Skin war nie einfach nur eine Oi!-Band. Sie waren immer auch eine Karikatur davon – aber eben eine verdammt gute. Frontmann Sean („Fat Bob“), Gitarrist Ben („Johnny Takeaway“) und Schlagzeuger Scott haben sich die raue Working-Class-Attitüde draufgeschafft, nur um sie dann herrlich dreist zu zerlegen.
Wer bei einem Albumtitel wie Hard Nuts and Hard Cunts (1996) denkt: „Das ist doch nicht ernst gemeint“, hat recht – aber auch wieder nicht. Denn so überzogen die Texte oft sind, der rotzige Sound und die gesellschaftliche Wut darunter sind echt. Und genau das zieht sich bis heute durch.
Sieben Jahre nach ihrer letzten Studioplatte meldeten sich Hard Skin mit Gold zurück – und das Ding hat es in sich. Es ist kein Best-of (auch wenn der Name das vermuten lässt), sondern ein neues Album mit frischem Material (16 Titel, 44 Min) – voller Mitgröl-Hymnen, pubtauglichen Riffs und jeder Menge Ironie.
Die Songs klingen allesamt, als wären sie direkt aus der Eckkneipe geplatzt – irgendwo zwischen The Business, Cockney Rejects und einem sehr schlecht gelaunten Monty Python-Sketch. Es wird gesungen, gebrüllt, gespottet – gegen Cops, gegen soziale Kälte, gegen pseudo-coole Punkrockposer. Alles wie immer, nur diesmal deutlich besser produziert.
Was die Kapelle so einzigartig macht: Sie schafft den Spagat zwischen klassenbewusstem Oi!-Punk und Selbstironie. Während viele andere Szene-Bands Gefahr laufen, sich irgendwann in nostalgischem Pathos oder lahmer Wut zu verlieren, bleibt bei Hard Skin alles in Bewegung – auch der Mittelfinger. Punk war eben nie nur Musik – sondern immer auch eine Haltung. Nur eben mit einer guten Portion Humor (das Video anschauen).
Und das Trio lieferte bisher stets aufs Neue. Das 24er Album ist im Fazit kein poliertes Comeback-Album, sondern ein rotziges Statement: gegen die Langeweile, gegen die Glanzfassaden, für Bier, Würde und Widerstand. Hard Skin sind Oi! Und Hard Skin sind South London.
Also: Gold auflegen, Anlage aufdrehen, Bier aufmachen, Nachbarn verärgern.