Norwegische Fjordpferde
Ich hatte heute das große Vergnügen, eine nette Runde bei Großröhrsdorf zu laufen. Also bei jenem Großröhrsdorf, das jetzt zu Liebstadt gehört. Ich habe es hier schon ab und an erwähnt, weil es noch ein richtiges Dorf ist, mit interessanten Drei- und Vierseitenhöfen, alter Bausubstanz und Landwirtschaft. Nicht so eines dieser sterilen Straßen-Schlafdörfer, welche heute von den Zahnärzten und Anwälten der Landeshauptstadt bewohnt werden.
Kurzum, es braucht keine zehn Minuten mit dem Auto von Pirna – einfach das Seidewitztal gen Süden fahren und irgendwann rechts hinauf nach Biensdorf. Weiter an der Dorfstraße im anschließenden Großröhrsdorf findet sich ein Spielplatz, mit Wandertafel, Wegweisern und einer Parknische, die als Startpunkt taugt. Ich lief dann weiter bergan, hinauf zu den letzten Höfen und weiter zur ausgewiesenen Panoramaaussicht am Lederberg.
Von dort hat man phänomenale Blicke nach Ost (die Sächsische Schweiz mit ihren Tafelbergen) und West (das Müglitztal und das Erzgebirgsvorland) – ich erwähnte das schon. Über die Wiesen ging es dann ein kurzes Stück zurück und im Bogen oberhalb des Dorfes durch die dort zahlreichen Koppeln. Neben Schafen und Kühen stehen dort auch einige der herzallerliebsten Norwegischen Fjordpferde, die man hierzulande nicht so oft vor die Nase bekommt. Sie wissen bestimmt um den folgenden Fakt?
Die Mähne des Norwegischen Fjordpferdes wird traditionell als Stehmähne geschnitten. Dabei wird die äußere helle Mähne kürzer geschnitten als die inneren schwarzen Haare. Dadurch wird der sogenannte Aalstrich, der dunkle Fellstreifen entlang des Rückens, betont.
Dieser ist ein Überbleibsel der Tarnfarbe, die für die Wildpferderassen typisch ist.
Nun, sie sind allemal schön anzuschauen und von wahrlich liebenswertem Charakter.
Nach dem Verweilen bei den Pferden (wir schauten uns lange und tief in die Augen) lief ich vor bis zur Landstraße und weiter durch das Dorf zurück bis zum Ausgangspunkt meiner Runde (komoot).
Was schön war
Die Ruhe. Der einzige Mensch, dem ich unterwegs begegnete, war meines Vaters Sohn. Es ist ja das Schöne an dieser "Stillen" Zeit, dass der gemeine Städter einmal nicht die Natur heimsucht, sondern (artgerecht im Herdentrieb) mit Dudelfunk, dicken Backen und roter Nase zwischen Fress- und Glühweinbuden sein trostloses Dasein fristet. So konnte ich ungestört das ländliche Idyll genießen. Dazu die karge Landschaft mit der für das Erzgebirge so typischen Dorfarchitektur. Und die beiden Steinkreuze natürlich auch.
Im Frühjahr werde ich wiederkommen.