Kaiserwald und Egerland
Der Kaiserwald (als dominanter Höhenzug) und das oftmals bemerkenswert schöne Tal der Eger prägen als Landmarken das Westböhmische Bäderdreieck. Kurz vor Weihnachten tat sich uns ein unverhofftes Zeitfenster auf, das die Gelegenheit bot, die mir bis dato unbekannte Ecke im Böhmischen zu erkunden. Also fuhren wir los und nahmen Quartier in Elbogen.
Vier Tage in Loket
Elbogen (tschechisch Loket) ist ein ca. 3000 Seelen zählender Ort nahe Karlsbad. Die historische Altstadt (mit einer schönen mittelalterlichen Burg) steht unter Denkmalschutz und liegt majestätisch auf einem markanten Felsvorsprung, der auf drei Seiten von der Eger (tschech. Ohře) umgeben ist.
Wir nahmen ein Zimmer in einer kleinen Pension und haben den Ort (inklusive die Burg) ausgiebig erkundet. Die mittelalterlichen Gassen, die historischen Bürgerhäuser und die malerische Lage inmitten der Eger-Schleife gilt es ebenso zu loben wie das kleine böhmische Brauhaus, in welchem ganz ausgezeichnete Biere (das Rubin!) verköstigt werden können. Die Tage nutzten wir für Tagesausflüge, abends wurde dann vor Ort spaziert und eingekehrt.
Kloster Teplá und Marienbad
Das Stift Tepl (Klášter Teplá) ist ein Kloster des Ordens der Prämonstratenser in Tschechien und wurde 1193 von einem böhmischen Adeligen gegründet. Die weitläufige Anlage ist nahe dem Kurort Marienbad gelegen, vereint in sich romanische, gotische und barocke Architektur und zählt zu den bedeutendsten Klöstern Tschechiens. Sehenswert sind die Kirche Maria Verkündigung (zwei Orgeln), ein kleines Museum und vor allem die historische Klosterbibliothek mit über 100.000 Bänden (eine der größten des Landes).
Das alles ist nur mittels einer Führung zu sehen – wir hatten das Glück, konnten an einer solchen teilnehmen und staunten gewaltig (das Fotografieren ist leider untersagt).
Zum traditionsreichen Marienbad (Mariánské Lázně) hinüber war es nur ein Katzensprung. Die Stadt ist bekannt für ihre Mineralquellen, die prachtvolle Kurarchitektur und weitläufige Parkanlagen. Besonders sehenswert sind die Singende Fontäne (leider nur im Sommer) an der Kurkolonnade, die neubarocke Kolonnade und die zahlreichen historischen Kurhäuser.
Wir flanierten wohlfeil im Sonnenschein, probierten standesgemäß vom Heilwasser und lauschten auf dem kleinen Adventsmarkt einem schon leicht in die Jahre gekommenen tschechischen Schlagersänger.
Franzensbad und Soos
Tags darauf fuhren wir gen Westen nach Franzensbad, einem weiteren klassischen Kurort im Böhmischen. Der besticht durch sein geschlossenes klassizistisches Stadtbild, gepflegte Parks und elegante, mondäne Kurhäuser, vor allem aber durch seine beschauliche, ruhige Atmosphäre.
Anzuschauen galt es für uns - neben der russisch-orthodoxen Kirche der heiligen Olga - die Franzensquelle, die Statue des kleinen „Franzl“ (Symbol für Fruchtbarkeit) sowie die zahlreichen Salz- und Wiesenquellen in den Parkanlagen.
Im Anschluss fuhren wir hinüber zum nahegelegenen Hochmoor Soos, einem Naturreservat, das vor allem durch sein unter Schutz stehendes Moor (mit natürlichen Mofetten und Mineralquellen) international bekannt geworden ist. Ausgebaute Holzstege und Wege führen durch das Moor (es gilt dort Eintritt zu zahlen) und eröffnen direkte Blicke auf die Salzwiesen, sprudelnde Quellen und das in zahlreichen Mofetten frei zu Tage tretende Kohlendioxyd, dem kleinere Tiere vor Ort durchaus auch zum Opfer fallen können. Was schön war: Wir hatten das vielbesuchte Ausflugsziel an jenem Nachmittag ganz für uns alleine. Es herrschte völlige Windstille und zu vernehmen war, neben dem Krächzen der Rabenvögel, nur das Blubbern der Sumpfgase.
Zu den Hans-Heiling-Felsen
Am dritten Tag besuchten wir die nahe Elbogen gelegenen Hans-Heiling-Felsen (Svatošské Skály). Genauer gesagt erliefen wir sie, um einen Ausgleich zur tagtäglich deftigen, böhmischen Küche zu schaffen. Die kleine Felsengruppe der Hans-Heiling-Felsen besteht aus diversen Felssäulen, Prismen und Nadeln, die in ihrer Form an einen Hochzeitszug erinnern, der einer Legende nach von einer wunderschönen Fee verwandelt wurde …
Die Route ist einfach und schnell erklärt. Vom Stadtrand in Karlsbad (quasi kurz nach dem Teddybär-Museum) führt eine Straße zu einem Parkplatz an einer Kleingartenanlage. Dort folgt man dem weiteren Verlauf der nun offiziell gesperrten Straße hinunter in das Egertal, wo diese auf den Eger-Radweg trifft. Entlang des Flusses läuft man weiter bis zu den Hans-Heiling-Felsen. Links liegen zwei Restaurants, gegenüber die Felsengruppe und geradeaus die schmale Brücke über die Eger, über welche man die Felsen erreichen könnte, wenn die Brücke zur Zeit nicht gesperrt wäre. Nun ja, so beließen wir es beim Ausblick vom Flussufer und spazierten letztlich zum Ausgangsort zurück (komoot).
Im Winter wirkt ohnehin alles grau und fad. Trotzdem: Im Fazit finde ich den Ausflug per pedes wenig attraktiv und eher schön für das Rad oder das Paddelboot. Die Felsen sind in ihrer Art nett anzuschauen jedoch kein Vergleich zu dem, was hier vor Ort der Elbsandstein zu bieten hat.
Den Rest des dritten Tages verbrachten wir in Loket.
Karlsbad
Am letzten Tag galt es wieder gen Heimat zu fahren – verbunden mit einer Stippvisite in Karlsbad, das ohnehin auf der Strecke lag. Dazu parkten wir am Stadtzentrum und flanierten ausgiebig im hochherrschaftlichen Zentrum des wahrhaft mondänen Kurbades. Letztlich haben wir sämtliche Kolonnaden, einige der teils über 60 bis 70 Grad heißen Quellen und natürlich auch mit dem Sprudel (Vřídlo) die stärkste derselben gesehen, die bis zu 14 Meter in die Höhe schießt und mit einer Schüttung von 2000 Litern pro Minute aufwarten kann. Dazu kamen der Weihnachtstrubel und die auch im Winter zahlreichen Besucherinnen aus aller Herren Länder, allesamt (uns eingeschlossen) erwartungsgemäß mit ihrer Schnabeltasse anbei.
Im Vergleich der Bäder lässt sich sagen, dass der größte Trubel in Karlsbad herrschte, dort steppte gewissermaßen der Bär. Und so besehen waren wir froh, vom beschaulichen Elbogen aus zu agieren und empfehlen den Besuch all dessen gerne weiter. Dann aber doch im Frühjahr bitte, wenn alles grünt und blüht … Und nicht im klirrenden Frost.





