Late Night Hamlet mit Charly Hübner
Neulich Abend hatte ich das Vergnügen, Late Night Hamlet mit Charly Hübner zu erleben – und applaudierte ordentlich. Was als ungewöhnlicher Zugang zu Shakespeares Klassiker beginnt, entfaltet sich schnell zu einem ebenso klugen wie unterhaltsamen Theaterabend.
Charly Hübner brillierte in der Doppelrolle als Showmaster und tragischer Prinz, spielte mit den Erwartungen des Publikums und brachte dabei sowohl Witz als auch Tiefe auf die Bühne. Die für mich überraschende Mischung aus Talkshow-Elementen, Musik und klassischem Drama wirkte weitgehend stimmig und erfrischend modern. Besonders beeindruckend war, wie mühelos der Mann aus Neustrelitz zwischen Komik und Tragik wechselte – ohne dass die emotionale Wucht des Originals verloren ging.
Ein ungewöhnlicher, kluger und sehenswerter Theaterabend war das, ein kurzweiliges Vergnügen. Nicht gar zu lang und doch alles Wichtige auf den Punkt gebracht, eine Ideensammlung also, nur der Rahmen schien nicht ganz zu Ende gedacht, irgendetwas fehlte, das darf man kritisieren, den Abgang vielleicht auch. Aber gut, Charlie Hübner kam ordentlich auf Temperatur und rockte den Abend, und das Publikum kam ganz sicher auf seine Kosten. Und ja, das war wichtig: Bukow war auch dabei, Bukow und König, Sie wissen schon, die Lederjacke macht den Kommissar.
Eine ausdrückliche Empfehlung also. Ihr solltet Tickets ordern, falls der Mann bei euch gastiert!
Late Night Hamlet
Ein Solo mit Charly Hübner
Regie: Kieran Joel
Kooperation der Ruhrfestspiele mit dem Deutschen SchauSpielHaus Hamburg
Dauer: 1 Stunde 15 Minuten, keine Pause