Amrum
Mit Amrum legt Fatih Akin ein Werk vor, das sich tief in die Erinnerungen einschreibt. Basierend auf den autobiografisch gefärbten Kindheitserzählungen von Hark Bohm erzählt der Film von den letzten Kriegswochen 1945 – gesehen durch die Augen eines Jungen, der auf der Nordseeinsel Amrum in eine Welt hineingeboren wird, die aus den Fugen geraten ist.
Zwischen Dünen und Dämmerung
Im Mittelpunkt steht Nanning, gespielt vom beeindruckend natürlichen Jasper Billerbeck. Er trägt den Film mit einer Mischung aus Unsicherheit, Neugier und leiser Widerstandskraft. An seiner Seite zeigt Laura Tonke als seine Mutter Hille Hagener, wie subtil eine Figur gleichzeitig liebevoll und ideologisch verstrickt sein kann. Dazu kommen starke Nebenrollen: Diane Kruger, Matthias Schweighöfer, Detlev Buck und Kian Köppke verleihen dem Inselkosmos Tiefe und Farbe, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.
Akin inszeniert Amrum als einen Ort zwischen Idylle und Bedrohung. Die Weite der Dünen und Strände steht im Kontrast zur moralischen Enge jener Zeit. Gerade dieser Gegensatz macht den Film so eindringlich: Die Landschaft wirkt fast wie ein stiller Zeuge, der beobachtet, wie ein Kind versucht, Wahrheit, Schuld und Verantwortung zu begreifen.
Öömrang
Was interessant ist: Auf Amrum sprach die Landbevölkerung zu jener Zeit, in der der Film spielt, den friesischen Dialekt Öömrang, weshalb ein großer Teil der Dialoge im Film auch in dieser Sprache gehalten ist (mit Untertiteln).
Fazit
Amrum ist kein lauter Historienfilm, sondern ein feinfühliges, präzise erzähltes Stück Filmkunst. Er erinnert daran, dass Geschichte nicht nur in Chroniken geschrieben wird, sondern vor allem in den Leben derjenigen, die sie unvorbereitet trifft.
Uns hat der Streifen (heute nachmittag im PKO) sehr gut gefallen. Und ihr solltet ihn gesehen haben.