Eines langen Tages Reise in die Nacht
Mit Eines langen Tages Reise in die Nacht zeigt das Staatsschauspiel Dresden derzeit einen der großen Klassiker des modernen Theaters in einer kraftvollen Interpretation.
Eugene O’Neills stark autobiografisches Drama erzählt von der Familie Tyrone, die an einem einzigen Sommertag im Jahr 1912 an ihren gegenseitigen Erwartungen, Verletzungen und Abhängigkeiten zerbricht. Im Mittelpunkt stehen vier Figuren, die einander lieben und zugleich zerstören: der geizige, kontrollierende Vater James, die morphiumsüchtige Mutter Mary und die beiden Söhne Jamie und Edmund, dessen schwere Erkrankung die verdrängten Konflikte eskalieren lässt. O’Neill zeichnet dieses familiäre Geflecht mit großer Schonungslosigkeit und emotionaler Tiefe.
Sebastian Hartmann (Regie) verzichtet in Dresden bewusst auf psychologischen Realismus. Seine Inszenierung arbeitet mit Fragmenten, Wiederholungen und starken Bildern, in denen Erinnerung, Traum und Gegenwart ineinanderfließen. Die reduzierte Bühne, Live-Musik und vor allem auch die hohe körperliche Präsenz der Schauspieler verdichten das Geschehen zu einem intensiven, beinahe rauschhaften Theaterabend.
Die Kritik lobte nach der Premiere (am 29.11.2024) die konsequente Regie, die emotionale Wucht und den Mut zum offenen Spiel. Zweifellos fordert diese Art der Inszenierung ihr Publikum (auch gestern Abend war so mancher dem Anspruch nicht gewachsen und verließ vor der Zeit den Saal), doch genau darin besteht ihre Stärke. Die Einladung Hartmanns mit gleich zwei Inszenierungen zum Berliner Theatertreffen in diesem Jahr bestätigt (neben der FAUST-Nominierung) den überregionalen Erfolg.
Zum Ende applaudierten wir begeistert. Und all die Anderen auch.
Eines langen Tages Reise in die Nacht
Staatsschauspiel Dresden, letzte Vorstellung am 14.02.26