Roger Melis – Fotografien
Das Leonhardi-Museum Dresden zeigt derzeit mit der Ausstellung „Roger Melis – Fotografien“ eine beeindruckende Retrospektive des bedeutenden DDR-Fotografen. Knappe 130 Aufnahmen aus vier Jahrzehnten zeichnen ein eindringliches Porträt einer Gesellschaft, die zwischen Alltag, Kunst und stiller Rebellion oszillierte. Ich habe die Ausstellung heute besucht und empfehle den Besuch ausdrücklich.
Zur Person
Roger Melis (1940-2009) wurde in Berlin geboren und wuchs im literarisch geprägten Umfeld des Dichters Peter Huchel auf. Nach einer Ausbildung zum Fotografen arbeitete er zunächst an der Berliner Charité, bevor er sich ab den 1960er-Jahren mit großem Erfolg der Porträt- und Reportagefotografie widmete. Seine Porträts von Schriftstellern, Künstlerinnen und Kulturschaffenden – darunter Anna Seghers, Wolf Biermann oder Sarah Kirsch – gehören heute zu den prägenden Bildern der ostdeutschen Kulturgeschichte.
Die Gesichter der DDR
Doch die Ausstellung zeigt mehr als nur die Gesichter bekannter Persönlichkeiten – sie öffnet ein Fenster in die Lebenswelt der DDR: Arbeiterinnen in Fabriken, Kinder auf staubigen Straßen, stille Stadtlandschaften und andere Momente unscheinbarer Intimität.
Was die Retrospektive besonders macht, ist die Ruhe und Würde, mit der Melis seine Motive einfing. Seine Bilder sind frei von Sensation, aber voll von Bedeutung. Sie erzählen vom Alltag, vom Stolz, von Melancholie – und davon, wie Menschen sich ihren Platz in einem starren System suchten. Besonders die frühen Aufnahmen aus Dresden und Meißen schaffen eine Verbindung zur Stadt selbst und verleihen der Schau eine unerwartet persönliche Note.
Das Leonhardi-Museum hat die thematisch separierte Ausstellung klar und unaufdringlich arrangiert. Die Schwarzweißfotografien wirken in den hellen Räumen kraftvoll und zeitlos, zudem wird ein halbstündiges Filmporträt gezeigt.
„Roger Melis – Fotografien“ ist noch bis zum 4. Januar 2026 zu sehen – ein eindrucksvolles Stück Zeitgeschichte und ein würdiges Denkmal für einen Fotografen, der den Menschen in den Mittelpunkt stellte, als das alles andere als selbstverständlich war.
Leonhardi-Museum Dresden
Grundstraße 26
01326 Dresden
Di – Fr: 14:00 – 18:00
Sa / So: 10:00 – 18:00
4 € pro Person
Freitag ab 14:00 freier Eintritt (ausgenommen Feiertage)