Das geschleifte Dorf Vorderzinnwald
Vorderzinnwald, gelegen an der deutsch-tschechischen Grenze im Osterzgebirge, war einst ein lebendiger Ort. Ein in diesem Jahr neu angelegter (von mir gestern in Augenschein genommener) Rundweg erinnert nun an das in den 1950er Jahren geschleifte Dorf.
Schietwetter ohne Ende
Trotz der schlechten Vorhersage fuhr ich gegen Mittag hinauf zum Kamm und in das Wetter hinein. Der neue Rundweg ist ein Muss und sollte gegangen werden, sobald sich Zeit und Gelegenheit ergaben – Wetter hin oder her. Ich notierte 9° Celsius, einen kräftigen, auffrischenden Wind und den sich hartnäckig haltenden Nebel, der mitsamt den stetig strömenden Regenwolken nicht weichen wollte. Egal!
Die Lage des einstigen Dorfes (direkt an der Grenze, gegenüber die Fürstenauer Heide und Grenzwiesen, die Traugotthöhe) war ungefähr bekannt und ich folgte den Spuren des allseits bekannten und stets verwegen den Krückstock schwingenden Heimatforschers Dr. Baum, der mir vor einigen Wochen vorausging.
Die Route
Meine genaue und vor Ort nicht zu verfehlende Route (gute 3,5 km) finden Sie zur Ansicht bei komoot. Für den Startpunkt empfehle ich jedoch den nicht zu übersehenden Standort der direkt an der Landstraße gelegen, ehemaligen Wallfahrtskapelle (man kann Reste vom Fußboden der Kapelle sehen, der einst dort befindliche ‚Fürstenauer Madonnenaltar‘ wurde vor der Zerstörung im Museum von Teplitz in Sicherheit gebracht und ist heute noch dort).
Zunächst läuft man durch den Wald, später dann durch offenes Gelände. Auch wenn die Geschichte des Dorfes vor 80 Jahren endete, finden sich heute noch Spuren der Siedlung im Gelände: Mauerreste, Steinhaufen, Scherben und andere Zeugnisse des Lebens im Dorf.
Auf dem gesamten Rundweg erinnern erst unlängst aufgestellte Info-Tafeln an den Ort und das damalige Geschehen (Zur Erinnerung: die damaligen, zumeist deutschen Bewohnerinnen sind 1945/46 geflüchtet oder wurden vertrieben. In den Nachkriegsjahren wurde der Ort dann dem Erdboden gleichgemacht.). Die zweisprachigen Stelen, auf denen sich auch Fotos finden und Zeitzeugen zu Wort kommen, sind als pädagogisch wertvoll einzuordnen und von daher bitte auch zu lesen (Fotos bei komoot).
Fazit
So weit, so gut. Ich lobe hiermit die Idee und die Gestaltung laut und verzichtete vor Ort – mit Blick auf meine klatschnassen Klamotten – auf eine geplante zweite kleine Runde.
Ich werde also wiederkommen und neuerlich berichten. Und das ist gut so.