Rund um Halsbrücke
Das Freiberger Land muss wenigstens einmal im Jahr besucht werden – so will es das Gesetz. Wir erkundeten dazu heute die stark durch den Bergbau und das Hüttenwesen geprägte Gemeinde Halsbrücke, soweit die Zeit das zuließ. Allgemein gilt: Die Tour führt vorbei an diversen alten Schächten, technischen Denkmälern und durch die waldreiche Landschaft im Tal der Freiberger Mulde.
Die Spülhalde Münzbachtal
Wir parkten an der St. Lorenzkirche im Ort und liefen frohgemut Richtung Südwesten aus dem Ort hinaus. Erstes Ziel war das Münzbachtal, explizit die ehemalige Spülhalde Münzbachtal. Vor Ort haben wir uns gewundert und im Nachinein informiert:
Die Spülhalde wurde zwischen 1958 und 1968 zur Ablagerung von Spülsanden aus der Aufbereitung von Blei- und Zinkerzen angelegt […] Rekultivierung durch eine 20–60 cm starke Abdeckung aus Erdmaterial – hervorragend geeignet für Testfelder, Monitoring und Technologieeinsatz […] Diese Kombination aus geologischer Vielfalt, technischer Erreichbarkeit und überschaubarer Flächengröße macht die Halde zu einem idealen realweltlichen Experimentierfeld. (via)
Ein schmaler Pfad führt durch das einstmals arg verwüstete Gelände, es grünt und blüht allerorten und ja, die Natur ist kräftig dabei, sich dieses Stück Land zurückzuerobern.
Das Kahnhebehaus am Erzkanal
Wir folgten dem Lauf der Freiberger Mulde und kamen zum nächsten Höhepunkt der Runde: dem alten Kahnhebehaus. Das heute noch in den äußeren Umfassungsmauern erhaltene Hebehaus (1988 restauriert) gilt als das älteste Kahnhebehaus oder, wenn man so will, Schiffshebwerk der Welt (aktive Nutzung von 1792-1868). Pro Fuhre wurden dazumal immerhin 2 bis 3 Tonnen Erz über knappe 7 Meter Höhe transportiert. Wir verweilten kurz, studierten die Erklärbärtafel und sahen uns um. Auch wichtig: Etwas oberhalb des Kahnhebewerkes befindet sich ein Mundloch der Halsbrücker Rösche mit Einstieg.
Johannisberg und Aquädukt
Weiter ging es zum Johannisberg (319 m, ehemalige Anlage des Johannis Richtschachtes nebst dem dazugehörigen Röschenbetrieb). Wir rasteten auch dort ein kleines Weilchen, mit schönem Blick auf die Russenwand, den Kreuzfelsen und die Deutsche Wand (allesamt markante Kletterfelsen). Es folgte das kultivierte und ansehnlich hergerichtete VII. Lichtloch (Anlagen des Rothschönberger Stollns) und der neuerliche Abstieg Richtung Mulde mit dem Eingang der Halsbrückner Rösche.
Wieder im Ort passierten wir das Aquädukt von Halsbrücke, das ehemalige Gelände des Amalgamirwerks der Hütte Halsbrücke, die ansehnlich hergerichtete Historische Erzwäsche und zuletzt und ganz oben den Hoffnungsschacht (Grube „Oberes Neues Geschrei“), bevor wir zum Startpunkt an der St. Lorenzkirche zurückliefen. Zudem hielten wir auf der Heimfahrt noch kurz an der dann schnell erreichten (und auf der Wanderung fälschlicherweise ausgesparten), eindrucksvollen und einspurigen Altväterbrücke.
Sie sehen schon, die Relikte von Bergbau und Hüttenwesen dominieren die Landschaft vor Ort, man kommt nicht umhin, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Die genaue Route und einige Bilder finden sich drüben bei komoot.