Zu Gast bei Henry van de Velde

Ein Besuch in der Villa Esche in Chemnitz
Gestern haben wir die Villa Esche in Chemnitz besucht – und waren durchaus beeindruckt. Sie haben gewiß schon davon gehört: Das Haus ist weit mehr als ein historisches Gebäude – es ist ein echtes Gesamtkunstwerk. Entworfen hat es der belgische Architekt und Gestalter Henry van de Velde (wohl der vielseitigste Künstler des Jugendstils) für den Chemnitzer Unternehmer Herbert Esche.
Form folgt Funktion
Schon beim Eintreten ist ersichtlich, dass dort jeder Winkel mit Bedacht gestaltet wurde. Möbel, Teppiche, Lampen (!) – alles stammt aus einer Hand und fügt sich zu einer harmonischen Einheit. Auch die Wandbespannungen, das Porzellan, das Besteck und gar die Kleider von Hanni Esche wurden dazumal von Van De Velde entworfen (inklusive Garten und Remise). Besonders faszinierend: die zentrale, zweistöckige Halle mit ihrem grün-weißen Oberlicht – das Lichtspiel ist magisch.
Im Obergeschoss erfährt man mehr über die Geschichte der Familie Esche, van de Veldes Lebensphilosophie und den langen Weg der Restaurierung des Gebäudes. Eine kleine Zeitreise in die gelebten Jahre des Jugendstils – mit viel Liebe zum Detail. Das Erdgeschoss punktet dazu mit dem Speisezimmer und dem Musiksalon, welche mit dem Original-Mobilar der Familie Esche ausgestattet sind. Was auch wichtig ist: Die Villa ist kein starrer Museumsraum, sie lebt. Heute finden dort regelmäßig Konzerte, Lesungen und Tagungen statt, und das angeschlossene Restaurant lädt zum Verweilen ein.
Kurzum: Die Anreise lohnt. Die Villa Esche ist ein Ort, der Kunst, Geschichte und Gegenwart elegant miteinander verbindet – und definitiv einen Besuch wert ist (Eintritt 6 Euro pro Nase und ja, man kann das auch ohne Führung machen – Infotafeln verkünden alles Wichtige auch in einfacher Sprache und im Zweifel gibt das überaus freundliche Personal Auskunft).
PS: Wir haben den Besuch lange geplant. Unser Aufenthalt in Chemnitz umfasste zudem eine vorzügliche Einkehr (auf dem Schloßberg in Chemnitz in idyllischer Lage), eine Stippvisite im grässlichen Zentrum der Industriestadt (einmal abklatschen am Nischel) und einen kurzweiligen Spaziergang am Kaßberg.